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Mondholz: Der lange Weg zum Bücherregal!

Man nehme einen ETH-Professor mit einer Idee, füge etwas Förster aus dem Oberwallis hinzu und würze das Ganze mit Mondholz aus dem Gebirgswald und fertig ist das Gericht mit Namen «Karybook». Ein Klärungsversuch!

 

Rückblick, 5. Dezember 2017: Uralte Baumriesen knirschen, ächzen, fallen krachend zu Boden. Die Motorsäge hat einem langen Leben im Gebirge soeben ein Ende gesetzt. Es ist knapp nach Vollmond zu Winteranfang, der ideale Zeitpunkt zum Einfahren einer besonderen Ernte: Im Diezzel- und Stijenwald wird Mondholz geschlagen – und vorerst liegen gelassen.

 

Monate später, im Juni 2018: Seilkraneinsatzleiter Alain Diezig inspiziert die im Frühwinter gefällten Fichten, die mitsamt allen Ästen auf dem Waldboden liegen. Die Nadeln sind teilweise abgefallen, der Winter und die Zeit haben ihren wichtigen Dienst getan. Alain Diezig klärt auf: «Da die Bäume mit allen Ästen den ganzen Winter über liegen geblieben sind, konnte der Baumstamm das Wasser besser und schneller abgeben. Zusammen mit der Tatsache, dass es sich um sehr feinjähriges Gebirgsholz handelt, das kurz nach Vollmond geschlagen wurde, ergibt sich eine äussert leichte aber sehr stabile Holzqualität.» Kurz gesagt: perfektes Mondholz!

 

Dieses Mondholz wird im Wald gerüstet und abtransportiert. Ziel ist die Sägerei. Dort werden aus den Stämmen Bretter geschnitten, die eine perfekte Grundlage zum Bau sehr leichter aber äusserst widerstandsfähiger Holzmöbel liefern. Genauer gesagt entsteht aus den nur gerade 10 Millimeter zarten Holzbrettern ein Bücherregal der etwas anderen Art – Karybook.

 

Die Idee dazu stammt vom ehemaligen Professor der ETH Lausanne, dem Kunsthistoriker Pierre Frey. Er sah sich ab und an der Problematik gegenüber, seine Bibliothek zügeln zu müssen. Etwas, das Bücherliebhaber leicht in Stress versetzen kann. «Das muss einfacher gehen», sagte sich der Professor und erdachte ein Bücherregal, das gleichzeitig als Transportkiste dienen konnte. Karybook war geboren! Das Buchregal ist so konzipiert, dass es einfach zerlegt werden kann, ohne dass die Bücher rausgenommen werden müssen. Die Einzelteile des Regals dienen einfach als Transportkisten. Deckel mit Tragegriff aus Leder drauf und die Bibliothek ist verpackt und transportbereit!

 

Doch diese Kisten voller Bücher wären mit dicken Holzbrettern zu schwer. Genau hier kommt das leichte und trotzdem sehr stabile Mondholz aus dem Gebirgswald ins Spiel! Holz aus Gebirgswäldern wächst langsam, ist sogenannt feinjährig, also mit kleinen Wachstumsringen versehen. Das macht das Holz besonders stabil und strapazierfähig, ein Bücherregal für die Ewigkeit, sozusagen. Direkt aus den Gebirgswäldern des Forst Aletsch.

 

Hier gibt es mehr Infos zu dem Thema.