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Totholz schafft Leben für den Wald

Totholz sorgt ab und an für Aufregung. Denn in den Augen der Bevölkerung sind nur „aufgeräumte“ Wälder schön anzusehen. Doch für die lebenswichtige Verjüngung des Waldes, den Steinschlagschutz und die Artenvielfalt ist vor allem das Holz wichtig, das am Boden liegen bleibt: Dieses Holz schafft Leben.

 

Totholz, so lautet der Fachbegriff für umgestürzte Bäume, Äste, Wurzelwerk, verdorrte Baumriesen und Baumstümpfe, die im Wald allmählich vermodern. Dazu gehören auch Holzerntereste wie Äste, Rinde und morsche Baumstämme. Wurde früher jeder Ast aus dem Wald geschafft, um diesen der Verwertung als Brennholz zuzuführen, muss heute umgedacht werden. Denn ein Wald ohne totes Holz ist ein Wald ohne Verjüngung und mit geringer Artenvielfalt.

Totholz schützt

Kurz gesagt: Totes Holz ist die Lebensgrundlage jedes Walds! Es ist Nahrung für Pilze und Kleinorganismen, die wiederum anderen Tieren als Nahrungsgrundlage dienen. Es speichert Wasser und Nährstoffe, die allmählich an die Umgebung abgegeben werden und so Jungbäumen als Lebensgrundlage dienen. Es schützt den Waldboden vor Erosion und bietet im Gebirgswald Schutz vor Steinschlag und Lawinenabgängen. Am Boden liegendes Holz bietet vielen Tieren lebenswichtige Deckung und Unterschlupf.

 

Zuwenig Totholz am Boden

Vor allem Gebirgswälder auf mageren, felsigen Böden sind auf viel Totholz angewiesen, um ihre Funktion als Schutzwald aufrecht zu erhalten. 90 Prozent des Walds im Gebiet des Forsts Aletsch sind Schutzwälder und sind in ihrer natürlichen Verjüngung dringend auf diese zusätzlichen Nährstoffe angewiesen. 25 Kubikmeter Totholz sollte jede Hektare Wald in den Bergen mindestens aufweisen. Ein Wert, der aber nicht überall erreicht wird.

 

Park oder Natur

Deshalb ist es wichtig, dass nicht nutzbare Restholzmengen wie Äste und morsche Baumstämme nach Waldarbeiten liegen gelassen werden, um die angestrebte Menge Totholz zu erreichen. Genau hier fängt aber die Herausforderung für den Forst Aletsch an. Das Auge des Menschen nimmt liegengelassenes Holz als Unordnung wahr. Für den Wald und seine Bewohner ist es aber die Grundlage für weiteres Leben.

 

Es stellt sich die Frage: Will man einen parkähnlichen Wald, der sich nicht natürlich verjüngt, dessen Artenvielfalt schwindet und der die für uns Menschen lebenswichtige Schutzfunktion nicht mehr erfüllen kann? Oder will man einen natürlichen Wald mit viel Totholz, der auf den ersten Blick unaufgeräumt wirkt, in dem das Leben aber spriesst, die Artenvielfalt hoch ist und die Schutzfunktion steigt? Jeder tippt in diesem Fall auf das Zweite. Denn „aufgeräumte“ Wälder gehören in Stadtparks, die Natur gehört in die Berge – zum Schutz des Walds und damit zum Schutz des Menschen.

Mehr Infos dazu gibt es hier.