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Wald und Wild: Wenn das Gleichgewicht gestört ist!

Wald und Wild: Nur ein gesunder Wald kann seine Funktion als Schutzwald und als Lebensraum für das Wild erfüllen. Ist zu viel Wild im Wald, kann er sich nicht mehr natürlich verjüngen und verliert rasch seine Funktion: als Schutzwald und als Wildeinstand. Der Mensch ist gezwungen, mit kostenintensiven Massnahmen einzugreifen. Wie wichtig das Gleichgewicht zwischen Wild und Wald ist, zeigt sich am Beispiel des Riederwaldes oberhalb von Ried Mörel und des Hohflüewaldes oberhalb von Bitsch.

 

Download der Gesamtstudie (PDF)

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Eine ausführliche Studie im Auftrag des Forsts Aletsch zum Thema Wald und Wild bringt es an den Tag: Die Schutzwaldfunktion vor Steinschlag, Lawinen und Murgängen oberhalb der Dorfschaften Ried-Mörel und Bitsch im Riederwald und im Hohflüewald ist stark geschwächt. Grund ist der zu hohe Wildbestand, der durch starke Verbissschäden die natürliche und lebenswichtige Verjüngung des Schutzwaldes seit Jahren verhindert. Dies legen die ausgewiesenen Fachleute Nora Zürcher-Gasser und Monika Frehner in einem Bericht dar.

 

Wald und Wild: Verbissschäden sind zu hoch

Vor allem im Winter stehen die nach Süden exponierten Wälder unter starkem Druck. Denn Hirsche, Rehe und Gämsen ernähren sich in dieser Zeit vorwiegend von den Knospen und Trieben junger Bäume. Dies wird als «Verbiss» bezeichnet. In naturnahen Wäldern ist dies ein normaler Vorgang. Wenn aber zu viel Wild über einen zu langen Zeitraum in einem Gebiet auftritt, kann sich der Wald nicht mehr eigenständig verjüngen. Innert weniger Jahrzehnte fehlt es an Bäumen, die den Waldbestand und die Waldleistungen, wie z.B. den Lawinenschutz, sicherstellen können, wenn die grossen Bäume an ihr Lebensende kommen.

Für den Riederwald und den Hohflüewald kommt die Studie zum Thema Wald und Wild konkret zum Schluss, dass sich der Wald trotz forstlicher Massnahmen mit der Schaffung künstlicher Lücken im Wald und dem Bau von Lawinenverbauungen nicht mehr selber verjüngen konnte. Das zu zahlreiche Wild hat dies verhindert. Die Folgen: Der Wald ist überaltert und die jungen Bäume fehlen ganz. Der Wald kann die Funktion der in den 90er Jahren erbauten Lawinenverbauungen nicht übernehmen. Das heisst auch, das diese Lawinenverbauungen bald einmal für viel Geld ersetzt werden müssen.

 

 

Arbeit des Forsts wird zunichte gemacht

Während also der Forst bestrebt ist, die Verjüngung der Wälder und die Förderung der Artenvielfalt durch gezielte forstliche Massnahmen zu verstärken, macht zu hoher Verbiss der jungen Bäume diese Arbeit rasch zunichte. Die Folge: Der Forst müsste zusätzliche Massnahmen wie Pflanzungen, Schutzzäune für einzelne Bäumchen, Lawinen und Steinschlagverbauungen und sogar die Absperrung ganzer Waldstriche durch Wildschutzzäune ins Auge fassen. Massnahmen, die kostenmässig kräftig zu Buche schlagen.

 

Entweder mehr Geld oder weniger Wild

Denn die zwei Waldspezialistinnen gehen in ihrem Bericht noch einen entscheidenden Schritt weiter. Mithilfe einer neuen Bewertungsmethode berechneten Sie die Mehrkosten, die in den nächsten 50 Jahren durch die Verbissschäden des Wildes entstehen werden, wenn die lebenswichtige Verjüngung des überalterten Schutzwaldes durch zusätzliche forstliche Eingriffe und Baumassnahmen erhalten werden muss.

Die zwei Wissenschaftlerinnen kommen dabei auf Mehrkosten von 4,4 Millionen Franken für die zwei Waldgebiete mit rund 190 Hektaren Fläche. Auch wenn der Einfluss des hohen Wildbestandes nicht in allen Schutzwäldern des Forst Aletsch gleich hoch ist: Mit einer Waldfläche im Forst Aletsch von 3700 Hektaren und einem Schutzwaldanteil von über 80 Prozent ergibt dies auch vorsichtig hochgerechnet einen Betrag von dutzenden Millionen Franken für die nächsten 50 Jahre.

Das Fazit der Autorinnen ist denn auch entsprechend deutlich. Erstens entstehen dem Forst Mehrkosten, die er unmöglich aus eigener Tasche und mit dem Verkauf von Holz erwirtschaften kann. Zweitens erhöhen sich die Risiken bezüglich Naturgefahren in dem Gebiet, die der öffentlichen Hand in den nächsten 50 Jahren zusätzliche hohe Kosten verursachen werden. Die Autorinnen zeigen aber auch einen Ausweg auf: «Diese Kosten können teilweise noch vermieden werden, wenn die Verbissbelastung schnell sehr deutlich gesenkt werden kann.»